von Stefan Goldmann
Musik. Wir kannten das lange Zeit so, dass jemand, der ein bisschen etwas kann, zehn Jahre Karriere macht und dann in der Regel verschwindet. Die großen Ausnahmen im Bereich elektronischer Musik sind Leute, für die das nicht zu gelten scheint. Also Francois K zum Beispiel hat mit Sicherheit die längste Karriere, und auch Richie Hawtin, Laurent Garnier oder Jeff Mills sind einfach nicht mehr wegzudenken. Von mir aus auch noch Kraftwerk. Das gibt einem Hoffnung. Auf der anderen Seite ist es für die, die jetzt nachrücken, so schwer wie nie zuvor. Da scheint die Halbwertszeit bei unter einem Jahr angekommen zu sein. Es liegt einerseits am nunmehr radikal einfachen Zugang und der Hektik des Marktes, sich in immer kürzeren Abständen „frischer“ Leute zu bedienen.
Den „Zugang“ muss ich erklären: in den „alten Tagen“, bis etwa Ende der 70er Jahre, war die Haupthürde Studiozeit. Wer als Musiker groß herauskommen wollte, brauchte Veröffentlichungen. Das heißt: Aufnahmen. Die damalige Aufnahmetechnik bzw. ihre Nutzung war aber irgendwann so teuer, dass die notwendige Studiozeit und das dazugehörige Personal ausschließlich von Großunternehmen finanziert werden konnte. Durch diese wirtschaftliche Ressourcenbegrenzung konnten ein paar hundert Künstler und Bands ein Millionenpublikum erreichen, da einmal hergestellte Aufnahmen sich mangels nachrückender Konkurrenz lange am Markt halten konnten und durch diese Fokussierung mehr Hörer begeistern konnten. Also nicht von Folgeprodukten aus den Regalen gedrängt wurden. Das änderte sich mit der Einführung der Vierspurtechnik, die erstmals Heimstudioproduktionen erschwinglich und konkurrenzfähig machten. Die gesamte New Yorker Downtownszene der späten 70er und frühen 80er lässt sich mit dieser Technik erklären. Die nächste Hürde fiel, als elektronische Drum Machines, Synthesizer und später Sampler brauch- und bezahlbar wurden. Ganze Musikstile entstanden: Hip Hop, House, Techno, D’n’B. Zugleich organisierten sich Vertriebsstrukturen, die unabhängig von den Major-Unternehmen waren und immer kleinere Zielgruppen bedienen konnten. So bildeten sich kleinere, mit Enthusiasmus betriebene Unternehmen heraus, die von finnischem Tango bis zu Death Metal auch vermeintlich unwirtschaftliche Fangemeinden durch einen weltumspannenden Vertrieb plötzlich so einbinden konnten, dass Künstler und deren Umfeld sich professionalisieren konnten – sprich, davon leben konnten. Diese Konstruktion wurde nie wirklich von den „Majors“ bedroht, die lediglich die umsatzstärksten Künstler gelegentlich abwarben. Man konnte sich gemütlich in seinen eigenen Vorlieben einrichten.
Im nächsten Schritt konnte eine komplette Produktion mit einem Aldi PC und einem Mikrophon (wenn nötig) gefahren werden. Die Software, die die vormals notwendigen Geräte imitierte oder teilweise ersetzte, gab es mittels Piraterie gratis. Dadurch sanken die Produktionskosten praktisch auf Null und die notwendigen Umsatzzahlen, bei der sich eine Veröffentlichung noch lohnt, fielen auf die Herstellungskosten des Tonträgers selbst sowie ein paar Nebenausgaben. 5000 verkaufte Einheiten waren nun ein Hit (statt früher mehrere Hunderttausend). Viele dachten sich nun – wozu Tonträger? Als digitaler Download fallen überhaupt gar keine Kosten mehr an. Im Ergebnis ergibt sich ein Vertrieb der jeder Veröffentlichung totale Verfügbarkeit ermöglicht hat – die aber so ineffizient ist wie noch nie: Was lade ich mir auf den Rechner, wenn fünf Milliarden Dateien sich anbieten? Wem schenke ich noch meine Aufmerksamkeit? Habe ich eine Aufmerksamkeit zu verschenken?
Die Majors sind davon kaum berührt – deren bekannte Probleme liegen viel eher in der eigenen Unfähigkeit, konsequent vorhandene Vorteile auszubauen. Große Künstler (sprich: umsatzstarke) werden idealerweise mit 360-Grad-Verträgen gebunden, die die Verwertung der gewinnträchtigen Live-Gigs, Verkauf von Fan-Artikeln usw. mitnehmen. Die maßgeblichen Mittel, um große Summen in den Bereichen Stadionbeschallung, Werbe- und Filmmusik abzusahnen, haben nach wie vor Majors in der Hand und daran ändert bisher keine vermeintliche „Demokratisierung“ etwas.
Die Opfer sind andere. Absurderweise hat der vollkommene Wegfall jeglicher wirtschaftlicher Hürden zum Musikvertrieb (eine Datei zum freien Download anzubieten kostet mich nicht mehr als die Uploadzeit) zuerst den „Indies“ den Garaus gemacht und persönlich vor allem deren Künstlern und dem Personal des Umfelds: Designer, Toningenieure, Produzenten, Studiomusiker, Texter, Musikjournalisten usw. (die von Freunden der Urheberrechtsaufweichung gerne bemühten Madonna und Metallica haben die Probleme der Independent-Künstler nicht). Alle sahen sich einer Konkurrenzflut gegenüber, die es ihnen mit ihren beschränkten Marketingbudgets in weiten Teilen unmöglich machte, am Markt zu bestehen – was gleichbedeutend ist mit dem Entzug des Grundeinkommens dieser Akteure. Eine durchschnittliche Vinylsingle machte im Jahr 2000 ein paar tausend Euro Gewinn. Im Jahr 2010 macht sie im Schnitt ein paar hundert Euro Verlust, ohne dass Produktionskosten im eigentlichen Sinn angefallen wären. Dadurch ist jegliches Extra – von einer größer angelegten Produktion über ein anständiges Mastering bis zu einem aufwendigen Cover potentiell nur Vertiefung des eigenen materiellen Schadens. Dort fällt dann mittelfristig alles weg. Die Flucht in den rein digitalen Vertrieb sieht nicht anders aus: Nur ein etablierter Künstler erzielt regelmäßig hohe digitale Umsätze – mit einem entsprechend starken physikalischen Tonträger in der Hinterhand. Alles andere bleibt in der überwältigenden Mehrheit ungehört. Eine durchschnitte „Nur-Digital-Single“ generiert mit viel Glück 100 Euro Ausschüttung an Künstler und Label zusammen – die nun meistens von derselben Person betrieben werden. Jetzt gibt es ein paar Millionen Künstler, die sich jeweils um ein paar hundert Kunden bemühen. Eine schwierige Relation. Oder wie der dazugehörige Scherz lautet: „In the future everyone will be world-famous for 15 people.“ Das Ergebnis ist die weitgehende Entprofessionalisierung. Generiert der Künstler regelmäßig nur Verluste, geht ihm irgendwann die Luft aus. Musiker ist nun ein Beruf für Erbreiche und merkantil besonders Clevere. Mit Qualität oder Überzeugungskraft der Musik hat das nichts mehr zu tun. Was vorher hauptberufliche Enthusiasten erledigten, gerät immer mehr zum Aufgabenfeld des Künstlers selbst. Plötzlich ist dieser Gestalter, Werber und Vertriebsmitarbeiter – alles Zeit und Aufmerksamkeit, die der Musik selbst dann fehlen. Dies erhöht den ohnehin enormen Druck auf das Umfeld. Im Jahr 2010 ist es schwer, professionelle Services selbst für ordentliches Geld zu kriegen. Mastering, Vinylherstellung, Musik-PR – kein qualifizierter Mensch tut sich diese Hungerjobs noch mit besonderer Hingabe an. Die Akteure wandern ab in bürgerliche Berufe. Hartnäckig hält sich die Legende, das Einkommen, zumindest noch für den Musiker, stelle sich dann über Auftrittshonorare ein. Wie kommt man aber an Auftritte? Nun, Presse hilft. Nur hat sich deren Arbeitsweise den Produktionsbedingungen angepasst. Im Bereich Elektronik gilt: Da hat jemand seine ersten zwei Singles produziert und wird prompt durch die komplette Presse- und Clublandschaft gereicht, nur um nach drei Monaten ersetzt zu werden. Mal ein Jahr Urlaub, Elternpause oder so? Bei denen, die in den letzten drei Jahren hochgeschossen sind, werden zwei Wochen ohne Release als Karrierebruch wahrgenommen. Über Jahre begleitet werden nur Künstler, die in den Jahren vor der totalen Flut (also bis ca. 2005) ihre Karriere starten konnten. Oder diejenigen, die sich die Artikel einfach kaufen können. Aber auch das funktioniert nicht immer und nachhaltig auch nur mit mindestens fünfstelligen Budgets. Alle anderen dürfen es als kurzen Ausflug in der Zeit zwischen Schule und irgendeinem regulären Job betrachten.
Die Desillusionierung der Künstler führt zu immer banaleren Ergebnissen – wozu sich noch Mühe machen? Eine mit zwei Stunden Aufwand produzierte Single verkauft 500 Stück Vinyl, ein kleines Meisterwerk dann 800 (plus ein wenig Biergeld bei Beatport). Tendenz fallend. Was folgt daraus? Die so genannte Demokratisierung hat nicht funktioniert. Alle glaubten, Zugang zu haben. Nur dieser Zugang ist für sich genommen nichts mehr wert, weil es niemanden interessiert, dass DJ XY aus Z eine Platte herausgebracht hat. Ich bekomme auf bestimmt zehn verschiedenen Kanälen jeden Tag dutzende Anfragen, irgendein File anzuhören. Trotz Spamfilter und Aufforderung, mir nichts zu schicken. Das Ergebnis ist, dass ich mir überhaupt keine Files mehr anhöre. DJ XY kriegt keinen Auftritt. Oder falls mal doch, dann fürs Taxigeld. Bei gefühlten 50.000 DJs allein in Berlin brauchen Clubbetreiber A, B oder C sich nicht mühen. Irgendwer spielt notfalls auch umsonst. Mit ihren Auftritten können die DJs ja ihre Platten bewerben. Und in Dorf Z darf man gratis üben, um es vielleicht mal in Berlin zu schaffen. Da schließt sich der Kreis der Unmöglichkeit. Keine ordentlichen Auftritte, keine Plattenverkäufe. Kein Einkommen. Wer nicht schon da ist, kommt auch nicht mehr an.
Diese Propaganda, dass man in Zukunft seine Musik allen verschenken wird, um von den Auftritten zu leben, ist von der Realität definitiv entkräftet worden – eben weil alle das praktisch schon so machen und trotzdem keine Auftritte kriegen. Außer Radiohead. Natürlich nur nach einem Jahrzehnt unter dem strengen Regiment eines millionenschweren Marketingbudgets eines Majors. Die einzigen Profiteure und die größten Fans der Piratenpartei sind die Aktionäre des Nasdaq 100. Wer von Musik leben will, sollte es erwägen, sich da einzukaufen. Da geht das Geld hin, das früher bei Musikern und deren Umgebung landete. Was auch genug über die andere Seite der „Demokratisierung“ sagt – der einzelne Mensch hat keinen Gewinn. Er bezahlt die Gewinne von Google, Apple, Beatport, Creative Commons (ja, die Organisation dahinter verdient schweres Geld) und so weiter mit dem Verlorensein in einer Flut der Irrelevanz, mit schlechter Musik, mit sich nicht mehr einstellender Begeisterung und mit dem unguten Gefühl, dass andere schon mal mehr Spaß hatten. Die totale und allumfassende Demotivation führt im Ergebnis nicht nur zu Mangelleistungen der Musiker, sondern auch zum Verdruss aller anderen. Ein frustrierter DJ legt öde Musik vor bocklosen Leuten auf. Das ist in etwa das durchschnittliche Event da draußen. Alternativ schwelgt man kollektiv in der Nostalgie nach irgendwelchen alten Tagen. Alle machen dasselbe, weil sie Angst davor haben, bei der geringsten Abweichung auch noch die restlichen geduldigen Konsumenten zu vergraulen. Und die verharren nur aus Mangel an Alternativen.
Und genau da wird es wieder interessant. Weil alle nur einen Minimalstandard halten, muss man einfach völlig überproportionale Kreativität abfackeln. Weil nichts sicheren Erfolg verspricht, kann man nun endgültig alle Rücksichten auf das Übliche fallen lassen. Je abwegiger desto besser. Nur so kann man aus dem allgemeinen Nichts noch irgendwie herausstechen. Der Vorteil ist, zynisch gesprochen, der: Die üblichen Kanäle sind ein für alle mal dicht. Wer sich abmüht, dort noch etwas durchzudrücken, verbraucht nur nutzlos seine Energie. Die funktionierenden Kanäle sind andere und sie lassen sich mit Ausdauer und Inhalten erobern, also mit den Merkmalen, die am auffälligsten aussterben. Wenn man das erkannt hat, ist die Masse nicht mehr ganz so bedrohlich, weil sie sich selbst aufhebt. Nur ein Beispiel: Ich habe gerade ein Album auf Kassette veröffentlicht und habe mir da sehr viel Mühe gegeben. Niemand sonst würde in so ein Format mehr Produktionszeit als unbedingt nötig investieren. Allein das hat enorme Aufmerksamkeit nach sich gezogen. Mit irgendeinem File auf Beatport wäre das nicht passiert – egal wie gut der Track dahinter wäre. Es ist gerade genau genommen wieder einfacher geworden, so lange man wirtschaftlich nach der Maxime handelt „Alles Populäre ist falsch.“ Zumindest in den ganz großen Medien, z.B. dem Spiegel oder BBC, bin ich nur wegen völlig abwegiger Projekte gelandet. Entsprechend habe ich plötzlich Auftritte nicht nur in irgendwelchen Technoclubs, sondern auf der Bühne des Mannheimer Nationaltheaters oder im Wiener MAK-Museum. Das wiederum beeindruckt die Booker in den Technoclubs… Eventuell ist die Zukunft sowieso die, dass die Künstler, die wirklich etwas zu vermitteln haben, sich aus der Verfügbarkeit weitestgehend zurückziehen werden. Wozu Files verbreiten? Für wen soll das einen Wert haben? Man stelle sich einen großartigen Track vor, den es ein einziges Mal gibt – auf Dubplate. Oder sozusagen der Rückfall ins Mittelalter – die Musik gibt es nur noch in Anwesenheit des Künstlers. Kein Release. Es wird für alle erst wieder interessant, wenn man weiß: ich bin gerade bei etwas Besonderem dabei. Wie sich dieses Gefühl einstellt – das ist die Aufgabe der Kreativen, wenn sie diesen Namen verdient haben.
Noch ein Gedanke zur Finanzierung des Ganzen, denn seit dem Ende der Indies ist die nötige Einstiegsinvestition wieder deutlich höher: Wer sagt, dass man seinen Unterhalt zwangsläufig mit traditionellen Mitteln bestreiten muss? Also Einnahmen aus dem Verkauf von Aufnahmen, Honorare für Auftritte, Einnahmen aus Urheberrechten, Merchandise und so weiter. Diese kann es einerseits immer geben, aber man kann sich eben nicht auf sie verlassen, weil sie nun alle von den verschiedensten Leuten und Unternehmen abgesaugt und entzogen werden. Andererseits war es noch nie so einfach, dadurch Einnahmen zu generieren, dass man mit minimalem Zeitaufwand Verbindungen zwischen den abwegigsten Angeboten und Nachfragen herstellt. Die Welt des Internets ist voll mit Möglichkeiten, z.B. lokale Preisunterschiede für ein automatisiertes Einkommen zu nutzen. Kostet ein bestimmter Artikel in Schwäbisch-Hall hundert Euro, so kostet er in Seoul womöglich nur fünf Euro. Mit einem Minimum an Kennerschaft und Kreativität lässt sich diese Verbindung in teilweise exorbitante Gewinnspannen ummünzen. Bezahlen tut die Bequemlichkeit der Käufer, die für einen einmaligen Vorteil nicht fünf Stunden recherchieren wollen. Wenn man das Ergebnis dieser Recherche aber hundert- oder tausendfach verwertet, erzielt man für die investierte Zeit einen durchaus beachtlichen Lohn. Ein Gewerbeschein und der eigene Internetzugang sind die einzigen Ausgaben. Wirtschaftliche und juristische Grundkenntnisse sind von Vorteil. Die komplette Abwicklung lässt sich auf externe Dienstleister auslagern, Stichwort Fullfilment. Das ist nur eine Möglichkeit. Andere nutzen die Feinheiten des Urheberrechts oder Startvorteile von neuartigen Vertriebsmodellen. Dividiert man einmal Einkommen und eigene Tätigkeit im Kopf auseinander, sieht man überall neue Möglichkeiten. So kann man manchmal in wenigen Wochen ein Jahresbudget erwirtschaften. In Phasen von erhöhtem Direkteinkommen durch Musik kann man wiederum den weltweiten Warenaustausch auf Autopilot lassen. Eigentlich ist das vielleicht die bessere Lösung: die Trennung von Arbeit und Einkommen. Um die Verkaufbarkeit meiner Musik mag zumindest ich mir den Kopf nämlich nicht mehr zerbrechen müssen.
www.myspace.com/stefangoldmann
www.macro-rec.com




61 Kommentare
Ein ganz toller Bericht ! Danke. War wirklich sehr interessant und gut geschrieben !
Mein Lob ! UNd das mit dem Tape ist auch eine ganz schöne Idee !
Liebe Grüße
herr schmitz
Schön das du die Ruhe und Gelassenheit zur Musik gefunden hast.
In der Tat sehr bemerkenswerte Gedanken und Ausführungen – danke dafür!
Na dann kommt doch nach China. Hier ist man schon was besonderes wenn man halbwegs anständig elektronisch produziert oder auflegt. Und Preisunterschiede lassen sich auch ausloten. Nur auf die Kassettenidee, darauf sind sie auch schon gekommen.
Guter Artikel!
sehr gut geschrieben und wunderbar zusammengefasst, was manch einen sprachlos über den trendweg der o.g jahre werden lies, wird hier der fakt schwarz auf weis bestätigt! böse marktumstände, aber dafür kann man sich nun noch entspannter seiner freien kreativität hingeben und komplett seine musik, mit recht so persönlich gestalten, ohne einem marktfrischen stil oder uniformiert etabliertem konform werden zu (s)wollen… eben genau die für musik (eigentlich auch wie bei allen anderen kunstformen) geltende natur kehrt vermehrt zurück ins bewußtsein. also:
“es wird immer weiter gehen, musik als träger von ideen” (kraftwerk). in diesem sinne, es wird also weiter/wieder spannend.
sehr geehrter herr goldmann
in der heutigen zeit, in der gilt:” wer für irgendetwas Geld ausgibt ist (nennen wir es mal )”dumm” haben Sie den Nagel auf den Kopf getroffen.
Mir stellt sich die Frage bei Lesen dieses Blogeintrag, ob die Intension des Schreiberlings Hass ist? Stellen die heutigen Vertriebs- sowie Marketingstrukturen in der Musikbranche das wirkliche Problem dar oder heißt es nicht, wie der Lehrer so sein Schüler?
Interessante Denkweise, auch wenn ich nicht allem zustimmen kann.
Heute kann jeder versuchen, seinen Traum zu verwirklichen. Und dabei zu der Erkenntnis kommen, dass es eben nicht ausreicht, ein paar gecrackte Softsynths in Reihe zu schalten und dann _den_ Hit produziert zu haben. Talent setzt sich auch heute noch durch. Und es liegt mehr Verantwortung bei A&R, die eben nicht mehr jeden Schrott lizensieren sollten, wenn das Label selbst überlegen will.
Gerade bei elektronischer Musik steht Deutschland doch eher isoliert in Europa da, was den Geschmack anbelangt, daher sehe ich das eher als regionales Problem. Zumindest ist es hier stärker ausgeprägt. Und mal ehrlich, bei vielen deutschen Produktionen wurde man sich wünschen, dass es die nur einmal gäbe und man sie nur in Anwesenheit des “Künstlers” hören könnte.
mann, genau darum geht es, A&R gibt es doch gar nicht mehr mann.
of course there’s still A&R department at major publishing companies.
and for the so-called indies it’s the same: there has to be somebody responsible for the selection of possible releases. of course all circumstances have changed a lot but this doen’t mean that there’s no more A&R people.
summing up: great article!
Ein super Text Stefan. Aber jetzt mal ehrlich ich lege selber seit 15 Jahren Elektronische Musik auf, aber du hast es auf den Punkt gebracht, ich selber komme aus dem Osten des Landes. Lege heute nur noch selten auf, weil ich heute kaum noch Bookings bekomme, denn es gibt ja Leute die spielen für weniger Geld als ich, sehen dazu noch sexy aus und bringen vielleicht noch 3 gut aussehende Frauen mit, warum soll ich das denn dann machen? Aber alle diese Fakten hast du ja schon auf den Punkt gebracht, ich kaufe selten nur noch Vinyl, weil man heute mit Müll überschüttet wird, und eine gute Nummer einfach durchgespült wird, finde deine Idee mit dem Tape gut, aber in der heutigen Gesellschaft glaube ich kaum das du damit aufsehen erregst (ausser bei deinen Jungs). Ich erinnere mich auch noch das viele damalige Produzenten nach Berlin gezogen sind um den grossen Durchbruch zu starten, aber da sieht man es auch, das es doch nur um das Geld geht. Es beruhigt mich einfach das es da draussen von den Jungs die bekannter sind welche gibt die einfach mal den Arsch in der Hose haben und mal ihre Meinung sagen. Ganz liebe grüsse aus dem Osten der Republik.
guter artikel. werde ich unter blog.drmotte.de blogen… beste grüße, dr. motte
Sind wir doch mal ehrlich: Techno ist tot und auch deshalb sinken die Verkaufszahlen. Die früheren Heroen liefern keine Innovationen mehr. UR klingt eben immer noch wie UR, kauft man etwas von Robert Hood oder Jeff Mills, bekommt man eben im Grunde immer die gleiche Platte. Was Anfang der 90′er noch als großer Wurf galt, ist heute an vielen Stellen in die Belanglosigkiet abgesackt. Viele der großen Namen zehren noch vom Kult-Status aus frühen Tagen und können sicher nur deshalb noch ihre Brötchen zahlen. Techno ist zur großen Blaupause geworden, denn im Grunde geht es um Immitation, da sich Neuerungen erschöpft haben. Man kann heute bei jedem Track sagen: “Klingt wie…”. Das mag im Pop/Rock-Business funktionieren, aber im elektronischen Sektor versagt dieses Konzept, durch ständige Wiederholung Gewöhnung und Verkaufszahlen zu schaffen. Klar, auch ich experimentiere mit A*leton L*ve herum und nähere mich der Produktion von old-school-Technotracks, jedoch geht es mir um die Faszination, durch die Arbeit mit emulierten Drum- und Bassmachines, die Arbeitsweise der alten Hasen nachzuempfinden. Ich konnte und kann mir nun mal keine 909 oder 303 leisten. Ich bin jedoch weit davon entfernt, die Dinge öffentlich zu machen, wie es so viele tun. Die meisten tun das, weil sie es eben tun können.
Grossartiger Text. Danke.
…der Artikel ist mir teilweise aus der Seele geschrieben, den für mich zählt nach wie vor nur Vinyl, doch soll das keineswegs andere vor verurteilen (auch wenn ich abends am Schleppen bin und ich USB-Controller samt MAC’s belächle).
Wer von Euch (und Du lieber Autor) die Jubiläumsausgabe der 20 Jahre Groove gelesen hat, ist sicher über das Interview von dem in der Einleitung erwähnten Richie Hawtin – dem Beatport (mit-) gehört – gestolpert. Was dieser vom besten gibt fand ich schlicht weg zum Kotzen, auch wenn er sagt, dass er “provozieren” will. Dieser scheint quasi noch nicht verstanden zu haben, welche Welle er damit noch befeuert, auch wenn Beatport quasi legales Downloaden ist (wobei hier die Frage nach Samples/Edits/Re-Edits für mich rechtlich offen im Raum steht, doch das tut sie bei Bootlegs schließlich auch). Doch Hawtin provoziert noch mehr, in dem er sagt, er “legt” an Abenden frisch downgeloadeten Kram auf, wo er weder Interpret noch Track vorher gehört hat und sich nach dem Set auch nicht daran mehr erinnern kann. Das entspricht einer Entwicklung die man bei der mir nach folgenden “DJ” Generation vorfinden kann. Über Soundcloud zu gesharte “Re-Edits”, von zum Teil historisch herausragender Tanzmusik, wo sich nicht im geringsten mit dem wer ist der Interpret etc. aus einander gesetzt wird. So erlebe ich es gelegentlich und man sieht die Requests zu Hauf an den Track Comments.
Die Bereitschaft Musik zu kaufen und zu Schätzen sinkt einfach, und dass nicht allein beim DJ sondern auch beim meist “Subkultur-bereinigtem” Publikum.
Ich kenne auch wirklich gut produzierte Mucke auf Beatport, nur finden sich alle (“Home-Producer”, “DJ’s”, Hörer) in diesem sich immer schneller drehenden Kreislauf wieder.
Was verloren geht ist die Wertigkeit und Dauerhaftigkeit und das wohl erste und schmerzhafteste Opfer ist meiner Meinung nach der Technics SL1200/1210.
Vielen Dank!!
lieber verfasser, wer immer du auch bist, selten hat mir jemand so seht aus der seele gesprochen. seit mindestens 10 jahren predige ich die essenz dessen, was du hier gepostet hast, mit dem zweifelhaften erfolg, als aus eigenem unvermögen dem werdegang dieser industrie zum opfer gefallen dargestellt und in die “schäm dich” ecke verbannt zu werden. jetzt kommt das grose jaulen genau von denen, die uns “unkenrufer” und vermeintliche “pessimisten” als unfähig ins eck gestellt haben. ich bin schon vor 10 jahren auf sounddesign umgestiegen und habe jetzt noch einen festen job in dieser branche, wenn alle bauernschlauen kritiker meiner realistischen einstufung der entwicklung auf einmal plete gehen und nicht mehr wissen, was sie in dieser branche noch machen sollen, um zu überleben.
eines allerdings noch:
dein “lösungsvorschlag” ist kein befriedigender für jemand, der in der branche bleiben will. “such dir einen anderen job im netz” kann nicht befriedigend sein für jemanden, der wie ich seine berufung in der musik an sich sieht. ja, ein ehemaliger bwl student, der mal 2 jahre einen auf a+r gemacht hat, dem fällt das nicht schwer. aber der is halt auch nicht die zielgruppe, die wirklich leidende, deines posts. die zielgruppe sind die, die jahrzehntelang den satz loslassen: “ich will doch verdammt nochmal nur mukke machen und einigermassen sicher davon leben können”. ein lösungsvorschlag für _diese_ gruppe, die übrigens die masse von den unter diesen zuständen leidenden ausmacht, würde helfen. ich fürchte nur, das ist reine illusion. wir müssen wohl oder übel damit leben, dass wir menschen dafür gesorgt haben, dass musik sich komplett selbst abgeschafft hat.
wer nicht an wunder glaubt, geht schon mal aufs amt und lässt sich grundversorgen, bevor´s da auch nix mehr gibt.
Ich weiß nicht genau, ob das wirklich alles so stimmt, wie Du es schreibst – zum Beispiel gibt es auch Künstler, die nach 2005 noch bekannt geworden sind und es vielleicht auch noch in ein paar Jahren sind. Aber grundsätzlich stimmt das natürlich alles. Was ich aber versöhnlich finde: Es wird immer Musik geben. Egal, ob dafür gezahlt wird oder ob nicht, ob es noch Plattenfirmen gibt oder ob nicht, ob es noch Platten oder mp3s gibt oder ob nicht. Wer bloggt, macht das ja auch nur im seltensten Fall für Geld, sondern aus anderen Gründen, Spaß dürfte ein nicht unerheblicher sein. Musiker ist dann auch eher: Spaß haben. Außer, man ist Lady Gaga. Dann heißt es: Spaß haben und Geld verdienen. Ich finde es schöner, wenn nicht alle Lady Gaga sind.
“Man stelle sich einen großartigen Track vor, den es ein einziges Mal gibt – auf Dubplate. Oder sozusagen der Rückfall ins Mittelalter – die Musik gibt es nur noch in Anwesenheit des Künstlers. Kein Release. Es wird für alle erst wieder interessant, wenn man weiß: ich bin gerade bei etwas Besonderem dabei.”
ich denke, dass ist genau der punkt – mittlerweile ist ja nicht mehr nur bei depeche mode so, dass die tracklist der konzerte überall vor dem eigentlichen konzert schon kursiert – defacto kann ich nicht mal mehr bei den – eigentlich so besonderen – konzerten/live-auftritten des künstlers xy sicher sein, dass man nicht schon die hälfte des treibens vor einem vorraussehen konnte.
insofern finde ich den ansatz von möglichst wenig information – besonders in zeiten der täglichen persönlichen informationsüberflutung großartig!!! andererseits denke ich auch, dass gerade bei dieser flut die von dir angesprochene schwierige entscheidung für album oder maxi xy von künstler xy erleichtert werden könnte, wenn man die möglichkeit hätte seine “investition” genaustens zu prüfen sprich: kurze soundschnipsel sind infolge omnipräsentem marketing und pr (und dem damit völlig manipulierten hirn;-) für cd/vinyl abc meineransicht nach zu wenig – die gefahr des fehlkaufs wiegt umso schwerer, je mehr einem vorgesetzt wird. so würde ich mir vielleicht weniger promo aber mehr schlichte album/maxi-listen wünschen, die es ermöglichen sozusagen neutral selbst zu entscheiden wer mich wirklich interessiert im deephouse oder krautrock kontext (wie früher im guten alten plattenladen um die ecke – nur eben mit allen releases und nicht nur denen – die dem verkäufer gefallen…) wenn man sich dann möglichst lange das entsprechende werk anhören könnte fiele die entscheidung vielleicht etwas leichter… aber das wird wohl ein wunschtraum bleiben…
Neues Inteview mit Stefan Goldmann zu diesem Artikel:
http://cnbconvention.tumblr.com/post/3085567896/interview-mit-stefan-goldmann
Ich stimme überhauptnicht überein, techno hatte niemals gute verkaufszahlen.. weder vor 10 jahren noch jetzt… die deejays waren immer die zielgruppe, in zeiten von vinyl setze man geld um wovon der künstler einen bruchteil bekommen hat. web 2.0 eröffnet neue möglichkeiten und FÖRDERT den wachstum der szene enorm. durch die downloads speziell die illegalen gibt es kein physisches geschäft mehr, jedoch sind die gagen eintritte und drittverwertungen durch sync und co so hoch wie noch nie.
wenn man der meinung ist musik zu machen die keinen sync, kein airplay und co bekommt weil man zu idealistisch veranlagt ist, darf man sich auch nicht beschweren das man nichts verdient. die welt dreht sich, wer sich nicht anpasst und mit der welt mitdreht darf sich nicht über misserfolg beschweren! kunst definiert sich durch das auge des betrachters, nicht durch den künstler!
die menschen die nicht in der grossen stadt leben finden heutzutage über web 2.0 den zugang zu techno. das wiederum fördert die communitys der künstler… somit haben sich finanzielle schwerpunkte verlagert und das ich lebe von was was keine sau interessiert (auser 2000 deejays) spielts halt nicht mehr… ich finde das sehr gerecht, ich kann sofort aus dem stegreif 10 künstler aus deutschland nennen die nicht den 90ern gross waren und für weit über 5000 euro pro gig kassieren… wenn man es schaft seine musik an den mann zu bringen, die leute diese musik vorsetzlich geniesen (sprich nicht im club wenns der dj spielt) hat man wohl oder übel fans… baut man dieses netzwerk aus gehört eben auch zu den jednigen die gutes geld verdienen, ALLE ANDEREN HABEN ES NICHT VERDIENT!!!!!! so ist das nunmal, aussehen, musik, inszinierung und die live show sind genau so wichtig wie die musik ansich. in den 90ern hat man mit jedem scheiss geld verdient, da gabs noch viel mehr schlechte musik die auch noch gute gewinne erziehlt hat. früher waren die teuesten deejays der welt um die 50.000 mark, jetzt kosten eine hand voll bis zu 100.000 euro und eine grosse maße spielt im 20-25k segment…
wer nicht mit der zeit geht, muss mit der zeit gehen. ich lese aus dem artikel mehr frust und hass also kompente meinung heraus, wer musik macht die für die randgruppe ist und vieleicht 50 leute in einen club bringt, ist nicht mehr wert als 400-600 euro gage und braucht sich auch nicht wundern wenn sein album floppt wie man so schön sagt. den de facto steht eins fest, was qualität hat und was nicht entscheided der verbraucher… sonst niemand, es gibt keine lobby die man mit seinem fleiß überzeugt um dann der held zu sein!
am erfolg einer platte kann man somit auch die qualität messen, den diese liegt immer im auge des betrachters. werbung ist total unrelevant im techno, ich gebe ein beispiel: Moderat , ein Album incl Welttourne und eine tolle aufmerksamkeit am markt. jede wette das es hier nicht mehr werbebudget gab, als bei einer anderen gruppe die am selben label released… der unterscheid ist, die musik hat die menschen daheim erreicht, das geht ohne viel geld easy über web 2.0 jeder kann seine musik mit video und co präsentieren, wodurch man sich massen an fans verdienen kann und seinen wert verzehnfachen kann, ohne viel geld! genauso wie die justin biebers dieser welt, welche auf youtube singen und endeckt werden,
wenn technopartys in berlin hypen, 2000 menschen 14 euro eintritt bezahlen und die türpolitik schon fast der des studio54 gleicht, sollte man das wort underground ganz schnell vergessen, TECHNO IST MAINSTREAM, einige fasetten davon sind zwar noch randgruppe, aber durch diese definiert sich die zielgruppe nicht! web 2.0 ist das beste was dieser musik passieren konnte, und eines ist auch klar: jetzt sind die guten alten zeiten denen wir in 10 jahren nachtrauen werden!!! mein statement bezüglich des erfolges bzw die gagen deren die ihre alben in den sand setzen richtet sich nicht an den autor. das war generell bezogen nur um missverständnissen vorzubeugen…
my 2 cents
Vielen Dank an alle kommentierenden! Es freut mich, dass es was zu diskutieren gibt – das Thema ist also nicht ganz uninteressant
@CG “Ich stimme überhauptnicht überein, techno hatte niemals gute verkaufszahlen.. weder vor 10 jahren noch jetzt… in zeiten von vinyl setze man geld um wovon der künstler einen bruchteil bekommen hat.”
Ich würde gerne ein paar Zahlen entgegenhalten:
Jedes Jahr “in Techno” hatte auch im Underground (also nicht: Paul van Dyk) mindestens eine Vinylsingle, die 30.000+ Einheiten umgesetzt hat. Zzgl. Lizenzen / Urheberrechten kamen da beim Künstler sechsstellige Beträge an. Vielen dieser Künstler gehörte auch das Label dazu, z.B. Laurent Garnier, Josh Wink, R.Hawtin, James Holden, Carl Craig usw. Diese Karrieren fußen auf Kapital, das durch Tonträgerverkäufe in die eigene Vermarktung rückinvestiert werden konnte.
Dahinter gab es zig Künstler, die den Rest der Jahreschart ausfüllten. Matthew Dear, Mathew Jonson, Luciano, Ricardo Villalobos … Da kam immer noch ordentlich Geld an, plus Folgeeinnahmen wie teure Remixe und eben Gigs. Ich weiß wovon ich rede – ich hatte mit “Sleepy Hollow” 2006 selbst mal so einen “Seller”.
2005 war mit 30k+ in Vinyl Schluss. Die Jahreshits sanken auf unter 2500 Stück (aktueller Stand) – der Marktdurchschnitt von 3000 (und davon konnte man fast leben) auf 300. Wer glaubt, Digital hätte das aufgewogen, irrt: die Verkäufe pro Titel dort sind massiv rückläufig – wegen der exponentiell anwachsenden Konkurrenz.
Jetzt helfen nur noch massive Hebel außerhalb des üblichen Kanals: wenn Paul Kalkbrenner in “Berlin Calling” spielt ist das ein solcher Hebel. Dann gehen auch solche Verkaufszahlen wieder. Man muss aber mit Kanonen auf Spatzen schiessen. Das ist der Unterschied.
@CG “web 2.0 eröffnet neue möglichkeiten und FÖRDERT den wachstum der szene enorm.”
Es fördert das Wachstum einer Konsumentengruppe, das ist korrekt. Wenn die Szene aus Risikoinvestoren und Aktionären besteht, dann ist das für die ganz toll, das sie wachsen. Web 2.0 stellt allen die gleichen Mittel zur Verfügung und nimmt ihnen zugleich deren Wirksamkeit. Techno ist wie Wasser aus dem Hahn, was auch die Gagen erklärt, die tatsächlich in der breiten Masse an Events offeriert werden (die von Dir benannten betreffen einen Wunschmarkt, weil nicht nur die Zahlen nicht stimmen, sondern auch die Mathematik. Unzählige Künstler haben kein Gagenproblem, sondern ein Häufigkeitsproblem – einmal alle 5 Wochen 1000,- ist viel wahrscheinlicher im Bereich mittlerer Populatität als jede Woche 600,-). Übrigens: aktuelle Hype-Künstler kriegen weit niedrigere Gagen als selbst mittel-erfolgreiche Künstler vergangener Jahre.
Mehr kriegt nur a.) der aktuelle Hype (genau bis der Hype rum ist – dann wieder 50 Euro) und b.) die oben beschriebene Gruppe von Künstlern, die sich unter den alten Bedingungen etabliert haben. In Zukunft hoffentlich auch c.) die Leute, die die Effekte Masse verstehen und für sich nutzen können.
Danke,
Stefan
stefan – danke für deinen reply auf den kommentar von CG. du sprichst mir aus der seele. und das auf ne weise, in der ich das nie hätte formulieren können.
also CG:
“kunst definiert sich durch das auge des betrachters, nicht durch den künstler!”
sorry, die aussage, und das meisste, was du geschrieben hast greift bei weitem zu kurz, und genau da liegt das problem. mal eroieren: glaubst du wirklich, dass z.b. picasso auch nur einen scheiss drauf gegeben hat, was die leute über seine kunst denken würden, zum zeitpunkt des erstellens eines seiner werke!? oder beuys? kunst definiert sich zum _grössten_ teil durch den künstler. genau da liegt der unterschied zu einem reinen produkt und einem künstlerischen werk. nicht der kritiker oder der käufer macht die kunst zu dem, was sie ist, sondern der künstler selbst. wenn man kunst, in diesem falle musik, zu einem _reinen_ produkt degradiert, nimmt man ihr genau das, was sie zur kunst gemacht hat – die unverfälschte interpretation eines künstlers.
zu deinem kommentar, dass techno nie grosse verkaufszahlen hatte: vollkommener schwachsinn. in den frühen neunzigern hatten nicht wenige techno acts immense verkaufszahlen, _obwohl_ viele von ihnen (nicht alle) immer im underground geblieben sind. und das war oft noch vor der zeit, als dj´s produziert haben. ich kenn nicht wenige, die mit techno mehr als beachtlich verdient haben, ohne gleich komplett massenkompatibel zu sein. selbst ich hatte damals charterfolge mit techno und konnte sehr gut davon leben, musik zu machen.
zm rest:
genau da liegt das problem. es gibt weitaus mehr musikstilistiken, die eben _nicht_ vom permanenten live spielen profitieren können (die kosten wären viel zu hoch, als dass das irgend ein label heute finanzieren würde), und, jetzt kommts – die das auch garnicht wollen. es gibt immens viele hochgradig begabte (und auch bekannte) künstler die _ausschliesslich_ über ihre musik sprechen. wie viele konzerte gibts z.b. von vangelis? und wieviele cd´s hat der millionenfach verkauft? genau. solchen künstlern geht das rampensau gehabe und die mediengeilheit, die man heute an den tag legen muss, nur damit die träge, übersättigte masse noch aus dem tauben dämmerschlaf gerissen wird, gelinde gesagt heftigst auf den sack, weil es von der eigentlichen sache, der musik, nur ablenkt und diese dadurch nur noch zum gleitmittel in die omnipräsenz degradiert. ich selbst hab 12 jahre lang profimässig aufgelegt, und ich kann dir sagen, dass die selbstüberschätzung und die profilneurosen von unterdurschnittlichen dj´s extrem zugenommen hat über die zeit hinweg. und ich wehre mich dagegen, gezwungen zu werden, wie eine billignutte von club zu club ziehen zu müssen, und einen mega affen zu machen, nur damit ich noch meine produkte verkaufen kann. musik _kann_ durch solche zwänge nur verlieren, und das kann man ja mehr als deutlich bemerken, wenn man auch nur eine nervenfaser besitzt. was meinst du, warum ein hochdotierter produzent hier so einen artikel veröffentlicht?
dem universum der musik ist genau durch solches _rein kapitalistisches_ denken die hälfte an potenzial weggebrochen worden. musik ist und blkeibt _deutlich_ mehr aus ein reines medienprodukt. solang man das nicht lernt zu akzeptieren, und schon die zweite generation heranzieht, der man völlig versäumt, diese werte mitzugeben, wird die qualität der musik immer darunter leiden, das sieht ja jetzt schon ein blinder, sofern er ein bischen intelligenz besitzt.
und von wegen “was qualität ist, entscheidet der verbraucher”, dass ich nicht lache! genau das ist der knackpunkt: qualität äussert sich zum grossen teil durch pures können und ausgereiftem handwerk. da die spreu vom weizen zu trennen, dazu ist der normale musik konsument überhaupt nicht mehr in der lage. was meinst du, woher der kulturauftrag der öffentlich rechtlichen herkommt (den sie aufgrund von formattierung schon lang nicht mehr ausübt, trotzdem werbung macht _und_ trotzdem gez gebühren einheimst)?
ich sags nicht gern, aber nur weil heute _jeder_ furzen kann, und mit einer megaprofilneurose die ausdauer aufbringt, sich den medien komplett preiszugeben, und sich konsequent ohne skrupel für jeden scheiss herzugeben, heisst das nicht, dass das auch jeder tun sollte – denn das stink nun mal gewaltig.
tatsache ist heute, dass jeder teenie der einen rechner hat, meint, er könne musik machen und ein superstar werden – und er tuts auch. wohnt zuhause bei den eltern, hat keine kosten, macht 2-4 nummern auf seinem rechner und veröffentlicht sie, nur um dann zu merken, dass das wohl doch nicht so einfach is, weil er komischerweise immer noch kein star is, dem die mädles an der stange rumkauen, wie ihm doch jedes hiphop video weis machen will (so billige mukke und so ein leben? das muss ich auch machen, is ja easy, das kann ich auch). das problem ist, dass es von denen millionen gibt, und so reisst der nachschub an billigem schrott dank internet nie ab…. und der konsument hat das nachsehen, weil er in der unendlichen masse keine chance mehr hat, was zu finden, was er mag… da lässt ers halt… oder lädt halt was durschnittliches runter, hörts 2-3 mal und ab in die tonne damit… wertebewusstsein? fehlanzeige.
wenn du früher musiker werden wolltest, gab es da ein natürliches nadelöhr – das studio. ohne studio keine möglichkeit, professionell musik zu machen. durch diese natürliche selektion hat es nur der geschafft, platten zu veröffentlichen, der sich jahrelang durchgebissen hat, sich die immens teuere studiozeit verdient hat, sich den ganzen technikanforderungen gestellt hat, und sich so – und jetzt kommts – hochprofessionelles können angeeignet hat. diese jahrelange lernen schafft wissen und reife über musikproduktion, das ein produkt heute in seiner schnellen produktionsphase garnicht mehr generieren kann. und das hat man an der musik gehört. daher _muss_ die musik, so wie sie heute von der industrie behandelt wird, zwangsweise schlechter werden, und das merkt der konsument bewusst oder unbewusst – daher ja auch folgerichtig kein wertebewusstsein.
dann kommt hinzu, dass die industrie künstler, die wirklich gut sind, aufbauen und begleiten muss, oft jahrzehnte lang. denn nur dann werden sie in den köpfen des konsumenten immanent. oder was glaubst du woher das kommt, dass pink floyd, die stones oder die beatles, oder bowie heute nur eine scheibe veröffentlichen müssen, und millionen verkaufen? immer noch?? ganz einfach, die haben eine _komplette_ jugendzeit begleitet, 10, 20 oft dreissig jahre lang sind die menschen mit diesen künstlern grossgeworden, weil die industrie mitgespielt hat – und dadurch immens verdient hat und es noch tut. das gibts heut nur noch in den seltensten fällen.
es gab mal einen a+r spruch, zu der zeit, als die noch ahnung von guter mukke hatten: “randgruppenmusik finanziert die hits”. das ist ein faktum. und wenn man sich daran hält, funktionierts auch. nur die reine schnellebigkeit (die geister die ich rief) erlaubt das der industrie nicht mehr… zumindest wird so gedacht. schneller profit ist profit. ende. und so simmer wieder da, wo wir angefangen haben – musik ist und bleibt eben _nicht_ nur ein produkt. da steckt wesentlich mehr dahinter, und solang man das links liegen lässt, gehts immer weiter abwärts. wie man sieht.
PS: vom Goldmann gibts zum Thema einen neuen Artikel auf Little White Earbuds:
Teil 1: http://www.littlewhiteearbuds.com/feature/quality-is-overrated-the-mechanics-of-excellence-in-music-pt-1/
Teil 2: http://www.littlewhiteearbuds.com/feature/quality-is-overrated-the-mechanics-of-excellence-in-music-pt-2/
ich hatte das dort schon nachgefragt:
der Artikel ist aber keine 1 zu 1 Übersetzung, sondern überarbeitet und zum Teil ergänzt.
Stammt das von Stefan selbst?
Sorry to say: Techno-Tunnelvision-Bullshit
Techno is not a consumers market. Dj´s buy tracks to play for an audience in the club.
What do you think is the scale of Dj to consumer?
I do work as mixing-engineer. I still make an considerable amount of money mixing bands.
These bands go to Bandcamp and sell their songs for a price they can choose themselves. Bandcamps fee is 10%. Beatport as closed system makes at least 40% on each sale.
My girlfriend does not go to Beatport to buy music. I do when i go to Dj occasionally. And i rarely listen to the stuff i buy there at home. I´d rather go to iTunes or Bandcamp to check for music i want to have on my mp3 or in the car.
Seriously, Techno is not where the money is. Its fun, yes indeed.
But the marketshare is incredibly small compared to “real” music for which you dont have to fuck up yourself to enjoy it.
Please stop whining and get a grip, Berlin!
Oh, and to mention major label structures or even the indie scene in an article about electronic dance music is just plain fvcking silly. Its two different worlds.
I Dj´d for close to 10 years. And i just can´t stand the self centered discussion about the oh so bad state of dancemusic anymore. Create relevant music which moves people emotionally and intellectually and they will be fans and buy it.
But to make music as a tool for wannabe performers to impress chicks and get free drinks´n drugs and then complain is just not going to work.
Thank you for the input! I really appreciate this, since it has a major point to discuss!
Probably a lot is a language issue, since my text is in German (the “majors” were mentioned EXACTLY BECAUSE they are different from the Techno economy), but the text says the same of most of what you say I think. It adds though that “democratization” of production tools and distribution possibilities actually lowers an individual artist’s chances of being heard, regardless how relevant and moving his music is (it had to be that since the stone age to make it in arts). In order of being heard this is not enough anymore. That’s the news. Your music does NEED to be radically different from anything else, even if that is just within a genre. Preferably, you create the genre and come out first.
“Seriously, Techno is not where the money is.” – 100% agreed! Well, it is still in Techno, but not for the artists – for the Nasdaq100 there is plenty. Or how did you write this comment? That’s my point and why I encourage to think of options of cross-financing. Put in two sentences, my core view is: Due to the masses flooding the market, the only way to still reach a considerable public is to do the opposite of what everyone else does. Find sources of non-music correlated passive income to fund that before innovation pays.
Sure this text is about the electronic music market. But you def. have a point with the different situation for (real) bands. I think you’re right what I say can’t be related 101 on ANY music market. But even with bands vs. electronic music – naturally electronic music is ahead in development in a Web 2.0 market. Bands will have more issues raising the funds in the first place to record themselfes properly (which means less competition than in laptop music), but then they’ll face the same obstacles in getting ahead. In marketing, they compete over the same tools/channels and their possible reach is limited by that, too. A live concert is more expensive to do than a DJ set. With more bands getting access to the marketing tools to actually compete with each other, at the end of the day they are facing the same dilemma like any DJ. “Democratization” takes the marketing leverage away from bands, which they needed in order to raise reasonable fees. This effect will increase over time.
My 2 cents. Thank you!
Stefan
Tssst, a translation please.
hello,
interessanter artikel.
ich mach seit 30 jahren musik. als dj seit ca 4 jahren.
mein ansatz:
lukrativer nebenjob, künstlerische freiheit, unabhängigkeit von industrie etc.
ganz einfach, oder?
echt guter artikel…
Ist halt die Frage was besser ist: Wenn nur wenige Zugang zum Werkzeug der Musik-Produktion haben aber diese dafür dann gutes Geld für ihre Veröffentlichungen bekommen, oder wenn alle immer und überall sich musikalisch ausdrücken können, dafür aber keinen müden Cent sehen.
na die anwort is doch klar! ersteres! bei zweitem verliert doch jede seite – der künstler, weil er nix verdient und wesentlich weniger output hat, weil die zeit die her hat, für den hauptjob draufgeht – und der konsument, der auf die art in einer masse an musik versinkt, die er _unmöglich_ bewältigen kann, und so nie was findet, was ihm gefällt, obwohl es existieren mag… omnipräsenz und masse sind für jede art von kunst der sichere tod.
Hochinteressanter Artikel. Dürfte dem ein oder anderem Träumer die augen öffnen
Sehr schön!
Absolut auf den Punkt gebracht!!
Existenzangst?
Wer hat das nicht? Es kommt auf den Blickwinkel an! Ob der Bauarbeiter oder eine Bürotippse? Der Selbständige oder Angestellte.
Existenzangst … warum? Diese entsteht nur dann wenn du das negative siehst.
Über den Horizont denken und Weitblick haben. Ich gehe dem als Hobby nach, Musik zu machen, hören und zu kaufen. Vinyl, Technik und ne Tafel Schokolade. In das investiere ich? Wenn ein Aussenstehender mich fragt, Warum gibst du 80% deiner hart verdienten Kohle aus für Vinyl und den ganzen Technikscheiss … A hast du keine Auftritte und verdienst keine Cent damit? Warum ? Die Musik die du machst ist auch nicht so der Kracher. Ich sage einfach, ich mach es nur für Mich. Ich habe seit 12 Jahren in dem ich mich mit Elektronischer Musik auseinandersetze ein hohen Fünfstelligen betrag investiert und im Gegenzug max. ein dreistelligen Betrag in mittleren Bereich an Gewinn erzielt. Warum ? Ich mache es für mich. Und wenn ich eine 3/4 Stund zur Arbeit benötige da 9h rum dackel und wieder die gleiche Zeit nach Haus im Zug sitze. Genau da finde ich die Ruhe zu mir und entdecke die Musik für mich und beschäftige mich mit dieser ohne der Absicht erfolg zu haben (habe mein macbook immer mit). Und selbst wenn es so sei das ich ein Zeit damit mein Unterhalt verdienen würde und mir mit Goldnen Toiletenpapier den A… abwische. Problem habe ich keine würde diese Situation eintreten. Ich würde einen normalen Job nach gehen und dennoch weiter scheissen viel Geld investieren weil Ich meine Gefallen und die Freude darin finde. Man muss loslassen können von alten Gewohnheiten aber eher bereit sein sich auf neue ein zu lassen. Demokrati? ich bitte euch? Das ist ein Modell was nicht funktioniert und nie funktionieren wird. Aber wer gefallen an Musik machen hat und dies mit Leidenschaft ausübt, selbst der würde noch als Obdachloser in der Strasse Musik machen und sticht dennoch aus der Masse hervor weil eben genau dieser Mensch an seine Sache glaubt. Heulen bringt nix genau so wie gejammer. He und wenn man in den alten Job zurückkehrt! Am Enden wenn man dennoch die Musik als Künstler macht und diese Einstellung konserviert, egal in welcher Lebenssituation trägt dazu bei das es auch diese Menschen gibt die dem ganzen Gehör schenken. Das wird auch diese Entwicklung überstehen. Und ehrlich gesagt, bis jetzt sind meine einzigsten MP3 die ich besitze ein Paar Podcast DJ’sets und meine eigenen Vinylsets und werde mich bis auf Messer komm raus zur Wehr setzen nur auch ein einzigen Song als MP3 zu kaufen und zu spielen. Warum? Es macht mir kein spass. Und wenn ein Großteil der Konsumenten feststellt … did kling alles gleich wird sich auch dieser Trend legen. Genau so wie ein Teil unserer Väter mal in einer Garagenband gespielt haben? Wie viele machen das noch heut mit Überzeugung wohl gemerkt ? Das was gerade im elektronischen Musikmarkt sich vollzieht ist nix weiter als ein Generation bezogener Prozess der sich so gut wie in jeder Generation wiederspiegelt. Ob in den 30er die Belchtrommel und Trompete oder den 80er die Drummaschine und CO.
Was ich damit sagen will ist, behaldet einen klaren Kopf und den Überblick und seit Euch und euren Maximen treu. Alle die jetzt Existenzangst haben, all die wollen anderen etwas beweisen und sich behaupten aber wissen nicht worum es in Musik erzeugen gestalten produzieren malen wie auch immer man es nennen mag annähernt geht. Ihr macht es für euch selber. Mit dieser Einstellung lässt mich die ganze Entwicklung eigentl. unberstehen?
In diesen Sinn zerbrecht euch nicht den Kopf über solche Angelegenheiten somit hat man mehr Zeit für sich und die Musik.
l.g. helmer
P.S. Mir wäre es selber 500€ wehrt um nur für mich eine Platte ritzen zu lassen !
Im Prinzip hat sich ja nichts verändert. Früher gab es wenige, die abgesahnt haben – heute gibt es wenige, die absahnen. Nur heute gibt es mehr “drum herum”. Es ist ja nicht nur das Web 2.0 und die Produktionskosten, die eine Rolle spielen. Die primäre Zielgruppe (also alles von 10-30, wenn’s hochkommt) bräuchte heute 10 x so viel Geld, um die von Stefan genannten musikalischen “Mitläufer”, die in den 90ern noch enorme Umsätze OHNE Hits hatten, finanzieren zu können. Das eigentliche Problem ist doch, dass die Kids und Teenies heute so viele Kosten mit anderen “Notwendigkeiten” (z.B. Handy, Apps, Videospiele) neben der Musik “auf der Uhr” haben (die zudem noch mittlerweile einen ganz anderen Stellenwert haben als früher -> die anderen Firmen schlafen ja auch nicht alle …
), dass für Musik einfach nicht mehr so viel Geld da ist.
Ich sehe das alles auch nicht wirklich so negativ. Zum Beispiel ist es doch ein Riesenvorteil, dass man a) nicht mehr wie früher in einen Plattenladen rennen muss, um sich für 6,8, 10 oder 14 Mark (oder später auch Euro) eine Vinyl kaufen zu müssen. Heute macht man den Rechner an, und 1 Minute später hat man sich den Titel für 1 EUR gekauft. Ist doch spitzenklasse. -> Klar, für reine Vinylfanatiker ist das der Albtraum, aber wenn ich mit einem VW Baujahr 1940 heute zur Arbeit fahre, darf ich mich auch nicht wundern, wenn alle anderen 3 Stunden vor mir da sind. ^^
Und außerdem ist es doch toll, wenn man seine eigenen Ideen @ home produzieren und auch noch veröffentlichen kann. Und “draußen” entscheidet dann der Kunde. Wie im echten Leben …
Die legalen Download-Zahlen in den diversen Digital-Stores steigen jedes Jahr im 2-stelligen Prozentbereich, das ist doch auch ein Zeichen, dass alles auf dem Weg ist.
Natürlich ist das alles noch auf niedrigem Niveau, aber wartet mal noch ein paar Jährchen (und wer weiss, was es bis dahin wieder für neue Möglichkeiten im Web gibt …).
Nur Geduld – und wer aktuell von Musik leben will, sollte auf mehreren “Hochzeiten” tanzen (z.B. DJing ; Producing -> auch da gibt es interessante Geschäftsmodelle, wenn man mal über den Tellerrand schaut ; oder sonst was im Bereich der neuen Medien – es tun sich ja ganz neue Möglichkeiten mit Web 2.0 oder 3.0 auf – das sollte man auch nicht vergessen ; Web ; Medien etc …).
Und noch eines zum Thema “Billig-DJs” : ich kenne mich ziemlich gut aus im Clubleben und mache das auch schon einige Jahre. Jegliche Diskussion über DJs, die für 100 EUR auflegen oder das sogar umsonst machen, sind vollkommen sinnlos, da ein Betrieb mit solchen “Investitionen” nicht überleben wird. Gerade in der heutigen Zeit ist mehr denn je Qualität gefragt. Jeder Betreiber, der das nicht begreift, wird früher oder später “baden” gehen. Ein guter DJ (ob Resident oder Booking) kostet Geld. In keinem vernünftigen Wirtschaftsunternehmen werden die wichtigen zentralen Jobs nach dem Prinzip “schaun mer mal, wer am günstigsten ist” vergeben. Es zählen Können, Erfahrung und Qualifikation. Ist auch im Discotheken-Leben nicht anders. Und wer das als Betreiber nicht beherzigt, wird das an seinen langfristigen Umsätzen spüren.
In diesem Sinne … weitermachen …
LG
DJ Teeno
hey teeno:
“Zum Beispiel ist es doch ein Riesenvorteil, dass man a) nicht mehr wie früher in einen Plattenladen rennen muss, um sich für 6,8, 10 oder 14 Mark (oder später auch Euro) eine Vinyl kaufen zu müssen. Heute macht man den Rechner an, und 1 Minute später hat man sich den Titel für 1 EUR gekauft. Ist doch spitzenklasse”
da sehe ich das grundproblem. die maxi, für die ich in den laden rennen musste, um sie für teueres geld zu kaufen – _die_ hab ich geliebt! auf die war ich stolz! wenns auch noch ne weisspressing oder ein seltener import war, hab ich sogar 40-50mark dafür bezahlt, und ich war und bin :kein_ oldschool vinyl liebhaber. dafür hab ich eine wert und ein bewusstsein für “wert” entwickelt.
hingegen: rechner anmachen, nummer runterladen – einmal anhören und dann in den mülleimer – weil – hat ja nur 1 € gekostet, unds is ja immer gleich wieder greifbar, sollte ich mich geirrt haben. ich weiss wovon ich rede – mein keiner cousin macht das auch so – wie alle teenies. und so verkommt musik eben zu einem _reinen_ produkt ohne inhaltswert, von den kosten der festplatte mal abgesehen.
Stefan, klasse Artikel, wenngleich ich auch Teeno in weiten Teilen zustimme.
Sicher, es gab mal eine Goldgräberzeit, in der man mit elektronischem Sound ganz schnell ganz viel Geld machen konnte. Heute ist das in der Tat fast unmöglich, dafür ist eben höhere Qualität und vor allem mehr Beständigkeit gefragt. An sich aber gar nicht mal sooo falsch.
Nichtsdestotrotz lassen sich sogar in ganz kleinen Techno “Randgruppen” Gagen im vierstelligen Bereich verdienen, was eigentlich kaum zu glauben ist. Zugegebenermaßen ist das in Deutschland scheinbar am schwierigsten, man muss sich da schon mehr ans Ausland halten. Bedeutet natürlich viel Arbeit und Aufwand, daran kommt man wohl nicht vorbei.
Was die Musik angeht, finde ich nach wie vor gute Sachen in allen Stores und davon sogar weitaus mehr dank online Shops. Sicher, Vinyl war ne tolle Sache, die ich schmerzlich vermisse, dafür hab ich heute viel mehr Auswahl und somit mehr denn je die Chance, mich von anderen abzuheben.
Mein Fazit: eigentlich ist alles so ähnlich wie früher. Es gibt wenige “Stars” ganz oben und viele “Unbekannte” weiter unten, damals wie heute. Damals gab es die finanzielle Hürde des Studios, heute gibt es eben die Hürde der größeren Konkurrenz. Oben landet nach wie vor nur der, der dranbleibt und nicht schon nach einem Jahr aufgibt.
@DJ Teeno: “Die legalen Download-Zahlen in den diversen Digital-Stores steigen jedes Jahr im 2-stelligen Prozentbereich, das ist doch auch ein Zeichen, dass alles auf dem Weg ist.”
Wo kommt diese Zahl her? Laut aktueller Studie der IFPI stagnieren die Gesamtumsätze – es wird also insgesamt die Sättigungsgrenze erreicht. Da aber immer mehr Anbieter hinzukommen, sind die Einzeltitelumsätze stark rückläufig. Das Modell ist also auf dem Weg zum Scheitern.
Hallo WW,
das sind die offiziellen Zahlen, die jedes Jahr veröffentlicht werden. Nachzulesen u.a. bei mediabiz.de .
LG
DJ Teeno
Kannst Du da mal einen Link posten?
Die einzigen “offiziellen Zahlen” die ich finde sind der IFPI Report 2010 (http://www.ifpi.org/content/library/DMR2010.pdf). Der besagt zwar, dass die Digitalverkäufe insgesamt steigen, aber der Abstieg der physikalischen Verkäufe schneller erfolgt, als er dadurch aufgewogen werden kann. Unterm Strich also Minus. Das ist aber auch nicht so wichtig – könnte sich ja später ändern. Zwei Sachen fehlen aber darin: es steht nicht da, wie der Umsatz verschiedener Stile aussieht (ist ja schön, wenn Country wächst) und vor allem wie der Anstieg der Anbieterzahl sich dazu verhält. Steigt der Gesamtumsatz des kompletten Marktes um 10%, die Zahl der Titel aber um 80%, würde das einen Abstieg der Einzelprodukte bedeuten – und nur darauf kommt es für die Artists an.
Leider gibt es keinen Report über den kompletten Techno-Markt. Aber über Beatport hieß es mal da kämen jede Woche ein paar tausend neue Tracks drauf. Wie der Konsument da noch entscheiden soll, ist mir da auch nicht klar.
WORD. ich habe ihn mir übrigens ausgedruckt, zum aufbewahren.

AIGHT!
zwo thesen dazu:
1.es wird für die musikhörende menschheit nicht unmöglicher/schwieriger aus der masse herauszufiltern was ihn interessiert, sondern es wird weitaus mehr von seiner virtuellen community abhängen, was er sich anhört oder ansieht. soll heißen, von seinen sozialen netzwerken (die hoffentlich bald anders sind und heißen als fb) in denen er erfahrungen und anregungen austauscht und erhält. der geschmack wie der informationsgrad eines menschen hängt weitaus stärker, eindeutiger und kalkulierbarer von seinem sozialen beziehungsnetzwerk ab als früher, zumindest beobachte ich diese entwicklung an mir selbst. ein mensch wird vielschichtiger informiert sein und einen entsprechenden geschmack entwickeln, je vielschichtiger (und das meint nicht die masse) sein soziales netzwerk ist. je einseitiger und de facto dümmer dieses umfeld ist, desto besser angreifbar ist ein konsument für eine neue werbe-industrie, die sich schon längst auf dieses thema gestürzt hat.
2. “werben” heißt für den kleinkünstler, wie für den zukünftigen social web-werbezaren in weitaus höheren maße als früher auf kontakt, austausch und auch auf diskussion setzen zu müssen als früher. es wird einen haufen dummer und widerlicher manipulativer kacke geben, weil werbe und meinungsmacher-menschen dazu immer gelegenheit finden werden. trotzdem läßt mich die grundsätzliche gegenseitige offenheit der sache durchaus auch positive möglichkeiten in der entwicklung sehen.
Now available in English, too:
LITTLE WHITE EARBUDS:
the link:
http://www.littlewhiteearbuds.com/feature/everything-popular-is-wrong-making-it-in-electronic-music-despite-democratization/
ein sehr depressiver artikel – ähnlich wie sarrazin mit seinem buch, der probleme aufzeigt aber keine lösungen.
soll ich jetzt nebenbei in china irgendwelche geschäfte machen um mein studio zu finanzieren oder hab ich da was falsch verstanden?
klar muss der unbekannte künstler mit qualität punkten, aber gleichzeitig trifft er auf eine mauer des desinteresses. egal ob nun label, djs oder musikhörer. alle bezeichnen ja promos von unbekannten leuten generell als müll und löschen es meist ungehört.
Ich kann dazu folgendes aus meiner Erfahrung sagen:
Ich gebe dir Recht. Es gibt einen ganzen Berg voll Schrott an Musik in diesen Tagen.
Ich zum Beispiel hatte meine erste VÖ Anfang 2007. Bis heute bin ich als DJ und Produzent noch dabei UND die Auftritte und Gagen werden mehr/ höher. D.H. ich bin noch auf dem Weg zur Spitze und nicht am Absteigen.
Demnach bezweifle ich diese Aussage von dir sehr!
Musik produziere ich von herzen. Und das hat sich letztendlich durchgesetzt. Ich kenne viele Freunde/ Bekannte die auch Musik machen und sich beschweren das es nicht vorwärts geht. Aber wenn ich sie dann mit meiner Arbeitsweise vergleiche kann ich nur sagen: “Tja, selbst schuld”.
Ich zum Beispiel produziere jeden Tag von morgens bis Abends. Sozusagen wie ein normaler 8 Stunden Job. Meistens länger. 12 Std. ca. Und am Wochenende geht es zu den Gigs und Sonntags wird Merchandising betrieben. Anderst funktioniert es nicht. In keiner Berufssparte! Nur wer immer 100% gibt wird auch am Ende ernten. Alle anderen bleiben auf der Strecke.
Auch muss man in der heutigen Welt in jedem Job immer mehr arbeiten. Früher wurde ein DJ bekannt weil er DJ war. Produzieren musste er nicht können. Heute muss man eben auch noch produzieren und Merchandising machen. Aber das ist ja nicht schlimm.
Bestes Beispiel: Sven Väth
Wenn er 2006 oder später mit dem Dj´ing angefangen hätte würde ihn heute niemand kennen. Er hat noch nie ein Lied produziert. Alle Lieder wurden damals vom Herrn Ralf Hildenbeutel umgesetzt.
Entweder man kann Musik machen und weiß wie man es an den Mann bringt oder man braucht viel Vitamin B (Beziehungen).
Und an dieser Stelle kann man noch was sagen:
Es gibt auch sehr viele DJ´s die keine Musik produzieren. Sich lieber produzieren lassen, dann aber die fette Gage abkassieren. Das ist Business! was, meiner Meinung, abgeschafft gehört.
Aber so was wird es immer geben.
Aber das geht mich ja nichts an. Jeder macht es eben auf seine Weise.
Ich gehe ja bereits erfolgreich meinen Weg.
Schwarze Männer wird es immer geben wie in jedem Beruf!
Das Problem an DIESER SITUATION sind nicht die Kunden und das Web 2.0.
Es sind die Musiker selbst.
In diesem Sinne!
Wohl gesprochen, Stefan, ich unterschreibe jedes Wort. Bei einer eigenen Formulierung des Sachverhalts würde mein Wortlaut sehr viel zynischer ausfallen. Daher nur ein paar ergänzende Zutaten aus meinem eigenen Erfahrungsschatz:
Ende der 70er Jahre wurde Studioequipment erschwinglich, die Demokratisierung der musikalischen Produktionsmittel machte aus jedem Schlafzimmer ein Studio und brachte unzählige unterschiedliche Blüten hervor – jeder Musik- und Geräuscheproduzent fühlte sich herausgefordert, sich von den anderen abzugrenzen. Das klang oft nicht schön, erzeugte aber meist eine sehr eigene, expressive Energie von kreativer Interessanz. Man bemühte sich, den Reiz des Neuen nicht nur aufrecht zu erhalten, sondern voranzutreiben.
Mittlerweile hat die weitere Verbreitung der Verfügbarkeit von Produktionsmitteln und Informationen den gegenteiligen Effekt erzielt: Eine Musikkultur leiert aus, die seit 23 Jahren den gleichen Rhythmus feiert. Das gab es vorher noch nie. Hatten sich die prominenten Produzenten- und DJ-Grössen aus Detroit und Chicago am Anfang von Soul und Funk, also von handgespielter, emotional aufreizender Musik zu einem einzigartigen Club-Sound inspirieren lassen, so simuliert die n-te Generation nach ihnen eine Imitation der Imitation (der Imitation usw.) von House/Techno. Eine Horde Trittbrettfahrer bewegt sich auf einer Null-Linie und feiert die eigene Mittelmässigkeit, indem sie immer und immer wieder selbstreferentiell den Sound aus dem Viertelraster reproduziert – und das alleine aus falsch verstandenen Credibility-Gründen. Die sinnliche Grundlage, also die Essenz von Musik als Träger von Emotionen, ist verloren gegangen, “tanzen” kann man das kollektive Wabern auf den Tanzfluren kaum mehr nennen.
Zwei Jahre war ich als A&R eines bekannten Clublabels tätig sowie als musikalischer Mitgestalter seines Schwesterlabels. Die Demos, die ich in dieser Zeit erhielt, grenzten meist an Körperverletzung. Man kann ohne mit der Wimper zu zucken behaupten, dass bis zu 98% totaler Schrott waren, dem es an Inspiration, Leidenschaft, Tiefe, Dynamik, Energie, Einfallsreichtum, Können, dem Gefühl für Progression und Sound-Design mangelte. Bei jedem Kandidaten, dem ich mit einer Absage antwortete, konnte ich aber sicher sein, dass sein minderwertiges Werk kurz darauf doch noch auf irgendeinem überflüssigen Label veröffentlicht werden würde. Denn in seinem Freundeskreis fanden sich sicher ein Labelbetreiber und mehrere talentfreie DJs, die sich gegenseitig promoten. Genau wie auf Facebook finden sich im Club-Biz immer irgendwelche Narren, die auch noch den grössten Unfug gut finden.
Muss man die Musik ändern, neue Drogen ins Spiel bringen oder das Publikum austauschen, um eine Änderung der Clubsituation herbeizuführen? Die Erfahrung zeigt, dass Leidenschaft und eine gewisse Raffinesse Garanten dafür sind, die Clubgemeinschaft richtig mitzureissen. Produzenten, die ihre eigene Visionen umsetzen und sich trauen, Grenzen zu überschreiten ohne dabei Klischees zu bedienen, haben das grösste Potenzial, Aufmerksamkeit zu erlangen. Als DJ erlebe ich, dass Produktionen mit erkennbar hoher musikalischer, also sinnlicher Qualität immer imstande sind, den Funken zu zünden – aus diesem Grund fordern sie im Club ein begeistertes Feedback heraus. Das fühlt sich wie eine Befreiung aus dem sedierenden Mittelmass an.
Always remember: never repeat.
Guter Artikel, aber sehr negativ
. Glaub du meinst sowas mit “man muss sich was trauen” oder? Sind aus Graz, taugen mir voll:
http://www.youtube.com/watch?v=xqy0CMITTpk
http://www.youtube.com/watch?v=BhoANJKcCEc
toller Artikel, der auch wirklich etwas Schwung in die Bude bringt … bevor ich auf diese (teilweise) neu entdeckten Ecken eingehe, vielleicht aber doch noch eine Metapher zum Journalismus: meinen Dank ans WWW, dass dieser Artikel veröffentlicht werden konnte.
Es ist doch eine Ironie der Technik eben, dass dieser Artikel online erscheinen konnte / erschien und nicht gedruckt. Welches „professionelle“ MusikMag, egal ob Indie- oder MainstreamMag hätte Dich für diese Betrachtungen bezahlt? Eigentlich ist das schon eine sehr demokratische Sache.
Letzter Satz auch, um den Bogen zur Musik zu kriegen. Neue Thesen, gute Musik, werden in meinen Augen immer Gehör finden. Auch wenn meine Frage sehr subjektiv klingen wird, frage ich mich eigentlich mehr, warum gibt’s so wenig gute Musik? Für mich ist es nicht nachvollziehbar, warum eigentlich heute jeder Musik macht und machen könnte, aber es an Handwerk und Neuem wirklich mangelt. „Selbst“ NDW hatte da mehr zu bieten.
Ich mag behaupten, mit jedem neuen Instrument, gab es neue Genies. Wo sind diese aber heute? Und, es bedarf eigentlich momentan – wie damals wahrscheinlich auch- nur Handwerk, um Menschen / Stimmungen zu berühren. Aphex Twin`s Avril 14th ist ja nun nicht gleich J. S. Bach, aber trotzdem ein „Riesenhit“, demokratisches youtube statement: mehr als 1.000.000 viewer. Noch dümmeres Bsp. Sky and Sand, in meinen Augen würde der Song morgen sofort wieder funktionieren bzw. Herzen reparieren. Aber wo sind diese Songs? Mangelnde Existenzmöglichkeiten in der Musik können diese Frage eigentlich auch nur unzureichend beantworten, da These, dass wer wirklich für die Musik geboren wurde, mit Existenzängsten vielleicht sogar noch größere Kunst geschaffen hätte (womit ich jetzt keinen Sarkasmus ausdrücken möchte). Unabhängig wie hart Demokratie auch in der Musik sein kann, meine große Frage bleibt: wo ist der Ableton Jimi Hendrix?
PS: ich hätte Deinen Artikel gerne als Promo geschickt bekommen
Das Magazin gibt es auch gedruckt. Wenn auch in sehr kleiner Auflage. In ausgesuchten Fachhandel oder direkt bei uns übers www.
haha, sorry, hatte vorher sogar noch recherchiert http://www.profikiosk.de/frame.php?mid=http%3A%2F%2Fwww.pressekatalog.de%2FPressekatalog%2Fhtml%2Fdefault.asp%3FAUFRUF%3D%252FPressekatalog%252Fhtml%252Fdefault%252Easp%26DS%3DES%26Orig%3DTrue%26catalogswitch%3D1%26DB%3DMAST%26PartnerID%3DWT20176%26CSS%3D995%26PA%3DHOM%26idbegriff%3D70-0000%26fachstichwort%3Dsilo%26undoder%3Dund%26beschraenkung%3Dallen%2520Feldern
…und wie genau verdient die Creative Commons Inc. schweres Geld?
@luka: “…und wie genau verdient die Creative Commons Inc. schweres Geld?”
Das wird immer schön unter den Teppich gekehrt, aber die Palette ist in der Tat breit: Ein Wochenendseminar für Anwälte, die sich in die Feinheiten der CC-Lizenz einführen lassen, kostet $7000. Das wiederum ist nur ein Bruchteil der Speaker Fees, die Larry Lessig kassiert. Auf der anderen Seite hat CC fast keine Kosten, da sie den Großteil der für sie erbrachten Leistungen “pro bono” bzw. ehrenamtlich erhalten. Man könnte schon zu dem Schluss kommen, dass es sich um ein privates Bereicherungsprogramm des Erfinders handelt, weil einfach nur die Rechtsunsicherheit von Leuten ausgenutzt wird, die ihre Inhalte ins Netz stellen wollen. Das 99% von ihnen überhaupt keine CC-Lizenz brauchen, wird ihnen natürlich nicht erklärt. Trittbrettfahrerei, sonst nichts.
…alles klar, verstehe. So ist das aber auch in der Open Source “Gemeinschaft” Gang und Gäbe – money talks
@zamboi
frage aus interesse: was meinst du genauer mit keine cc-lizenz benötigen?
gibt es andere wege veröffentlichung rechtlich zu schützen, ohne dafür die ganze maschinerie in anspruch zu nehmen?
@slumberknut: Ja, ganz banal durch reguläres Urheberrecht. CC ist ja kein Rechtssystem, sondern nur eine Marke, die mit einer Auswahl an Symbolen auf Texte verweist, die urheberrechtliche Inhalte enthalten.
Das international standardisierte Urheberrecht “schützt” nunmehr ohne Anmeldung jedes Werk ab Entstehung praktisch weltweit. D.h. wer etwas verwerten oder bearbeiten will, muss sich das vom Rechtsinhaber genehmigen lassen. CC funktioniert als Standardgenehmigung für bestimmte Rechte. Der Haken ist in BEIDEN fällen, dass die Überwachung der Einhaltung weder ein Staat noch CC garantiert. Bei Verstößen, ob gegen CC oder einfaches Urheberrecht, muss man selber Abmahnungen schreiben oder vor Gericht. Auch die entsprechenden Straftatbestände sind Antragsdelikte, d.h. der Staatsanwalt wird nicht von alleine tätig (und bei unbedeutenden Fällen – also den meisten – eigentlich gar nicht). In der Praxis ist daher CC nur eine Absichtserklärung und Urheberrecht ein rein theoretischer Schutz. Bootleg-Remixe z.B. verhindert weder das eine noch das andere effizient, ganz egal was man auf seine Site schreibt oder was im Gesetz steht.
Andererseits ist es immer noch so, dass praktisch jede auch nur minimal ernstzunehmende kommerzielle oder institutionelle Auswertung über mehr oder weniger individuell verhandelte Verträge oder Standards von Verwertungsgesellschaften funktioniert. Das Überangebot ist so riesig, dass kein größerer Marktteilnehmer sich damit aufhält, unlizenzierte Rechte in Gebrauch zu nehmen – vor allem weil 99% aller Rechte “am Markt” einem in der Regel vorschussfrei hinterhergeschmissen werden. (Der Rip off kommt dann meistens später. Es ist einfacher und sicherer, einen bestehenden Vertrag nicht einzuhalten, als urheberrechtliche Straftatbestände zu begehen).
Silo, your article point on point greatly articulates well what I have been seeing and saying in my own way for some years – thanks for the confirmation. My only criticism is that after reading it there was not much inspiration from it. So, I will like some other people on here I will hold on to the dreams and desires of my heart which keep me going. Turning that hope into a reality has had its positives and negatives over the years, but it is for the love of music why I still do what I do, thank God.
Keep hope alive, through the music; the groove of your heartbeat – and WEITER TANZEN!
Ich weiß nicht genau, ob das wirklich alles so stimmt, wie Du es schreibst – zum Beispiel gibt es auch Künstler, die nach 2005 noch bekannt geworden sind und es vielleicht auch noch in ein paar Jahren sind. Aber grundsätzlich stimmt das natürlich alles. Was ich aber versöhnlich finde: Es wird immer Musik geben. Egal, ob dafür gezahlt wird oder ob nicht, ob es noch Plattenfirmen gibt oder ob nicht, ob es noch Platten oder mp3s gibt oder ob nicht. Wer bloggt, macht das ja auch nur im seltensten Fall für Geld, sondern aus anderen Gründen, Spaß dürfte ein nicht unerheblicher sein. Musiker ist dann auch eher: Spaß haben. Außer, man ist Lady Gaga. Dann heißt es: Spaß haben und Geld verdienen. Ich finde es schöner, wenn nicht alle Lady Gaga sind.
It is appropriate time to make some plans for the future and it is time to be happy. I have read this post and if I could I wish to suggest you some interesting things or advice. Maybe you can write next articles referring to this article. I want to read more things about it!
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